Elektronische Lohnsteuerkarte

Dieses Jahr bleibt der Briefkasten leer, denn Steuerpflichtige erhalten erstmalig keine bunte Lohnsteuerkarte mehr von der Kommune. Das bisherige Lohnsteuerverfahren, was bereits 1925 eingeführt wurde, wird durch ein neues Verfahren ersetzt. Die Umsetzung erfolgt in zwei Schritten. 

In einem ersten Schritt (Elster Lohn I) wurde die Rückseite der Lohnsteuerkarte überflüssig gemacht, indem die dort vorgesehenen Informationen seit dem Jahr 2005 elektronisch von den Arbeitgebern an die Finanzverwaltung übermittelt wurden. Der Arbeitgeber brauchte die Lohnsteuerkarte am Ende des Jahres nicht mehr an die Arbeitnehmer zurück zu senden. Der Arbeitnehmer erhielt lediglich eine Lohnsteuerbescheinigung. In einem zweiten Schritt sollen ab dem Jahr 2012 die Informationen auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte elektronisch bereitgestellt werden. Dieses Verfahren wird als Elster Lohn II bezeichnet. Der Arbeitgeber erhält die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) dann direkt von der Finanzverwaltung. Hierdurch entfällt unter anderem die Herstellung von Lohnsteuerkarten aus etwa 380 Tonnen Pappkarton pro Jahr.
Die Angaben auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte (Steuerklasse, Anzahl der Kinderfreibeträge, sonstige Freibeträge und Religionszugehörigkeit) werden in einer Datenbank des Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zum elektronischen Abruf für die Arbeitgeber bereitgestellt und künftig als Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) bezeichnet. Die Zuständigkeit für die Bescheinigung von Lohnsteuerabzugsmerkmalen und die Ausstellung von Ersatzbescheinigungen geht bereits ab dem 01.01.2011 auf die Finanzverwaltung über. Für das neue Verfahren müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber künftig nur noch das Geburtsdatum und die IdNr mitteilen sowie Auskunft geben, ob es sich um das Haupt- oder um ein Nebenarbeitsverhältnis handelt. Der Arbeitgeber ist dann dazu verpflichtet die ELStAM für den Arbeitnehmer bei BZSt durch Datenfernübertragung anzufragen, die danach bereitgestellten (ELStAM) abzurufen und sie in das Lohnkonto für den Arbeitnehmer zu übernehmen. Dies kann entweder über eine Buchhaltungssoftware oder über das Elster-Online Portal erfolgen. Die ELStAM sind solange für die Durchführung des Lohnsteuerabzugs des Arbeitnehmers anzuwenden, bis das BZSt dem Arbeitgeber geänderte Daten zum Abruf bereitstellt und die Bereitstellung mitteilt.

Da das elektronische Verfahren aber erst ab dem 01.01.2012 eingeführt wird, in 2011 aber schon keine Lohnsteuerkarte mehr versendet werden, gibt es für das Jahr 2011 die folgende Übergangsregelung. Arbeitnehmer behalten ihre Lohnsteuerkarte aus 2010 und der Arbeitgeber darf die Lohnsteuerkarten aus 2010 nicht vernichten, sondern muss sie weiterverwenden. Änderungen wie Steuerklassenwechsel und Freibeträge werden über die alte Steuerkarte beantragt. Wer erstmalig eine Lohnsteuerkarte benötigt, beantragt diese beim zuständigen Finanzamt. Jugendliche, die in 2011 ihre Ausbildung beginnen dürfen auch ohne Lohnsteuerkarte vom Arbeitgeber in die Steuerklasse I eingestuft werden. Wer in 2011 den Arbeitgeber wechselt, nimmt die alte Lohnsteuerkarte einfach mit.

Ziel der elektronischen Lohnsteuerkarte ist eine Vereinfachung durch die elektronische Kommunikation zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Finanzamt, weniger Behördengänge und keine Kosten mehr für die Ausstellung von Lohnsteuerkarten. Ob diese Ziele jedoch wirklich erreicht werden können, wird sich in der Zukunft zeigen.

Autor: Dipl.-Kfm. Peter Hermanns Steuerberater, ist Gesellschafter der BHU Steuerberatungsgesellschaft GmbH & Co. KG und der BHU Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH in Bedburg-Hau/Kleve.

Veröffentlichung: Dezember 2010

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